Ein unerwarteter Fund

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Heute habe ich Sankt Georg besucht. Lag wunderschön in der Sonne. Ich bin um die Kirche herumspaziert, und dabei habe ich etwas Erstaunliches entdeckt. Seht ihr das winzige, romanische Fenster unter der Apsis?

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Hinter den uralten Gitterstäben aus Eisen liegt eine kleine Figur: ein Gekreuzigter ohne Kreuz, ein Corpus Christi aus Kupfer, die Arme ausgebreitet, aber er hat nur noch einen Arm. Der andere ist abgerissen. Wer immer ihn dahin gelegt hat, war barmherzig, er hat ihm einen Arm aus Stein gegeben.

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Es ist ein modernes Figürchen mit einfachen, klaren Linien. Das Gesicht wirkt müde, vom Leiden erschöpft. Ein Christus, herabgestiegen – nein, brutal herabgerissen vom Kreuz, ein doppelt Gemarterter, Symbol für alles Leid dieser Welt.

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Wo er wohl herstammt? Von einem Grabkreuz, das niemand mehr brauchte? Von einem Kruzifix, das niemand mehr wollte? Hat ihn jemand abgerissen, weil er sich provoziert fühlte in seinem eigenen Leiden durch den kupfernen Körper? Wollte sich jemand einen Spaß machen? Oder hat hier einer aus blinder Zerstörungswut gehandelt?

Ein anderer Jemand hat den kleinen Christus gefunden und zu Grabe gelegt. Am Fenster der Krypta, in der sich die Gebeine eines Heiligen befinden. Als ob er ihn nach Hause bringen wollte. Und er hat versucht, ihn heil zu machen. Mit einem Stein. Was für eine wunderbare Geste!

Oder war es womöglich derselbe Jemand?

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